Frauen? Liebesbedürftig und anschmiegsam, harmoniesüchtig und streitlustig, abhängig und freiheitsdurstig – unberechenbar wie das Wetter. Zärtlich und aggressiv zugleich, geraten sie nicht selten in Turbulenzen…Vier Tänzerinnen in den Wirbeln und Flauten, den Stürmen und Schönwetterphasen der "Vierten Sinfonie c-Moll op.43" von Dimitrij Schostakowitsch - Musik und Bewegung entzünden sich gleichsam gegenseitig. Die zerrissene, chaotisch anmutende Komposition des russischen Avantgardisten wird zu einem Partner, auf den sie reagieren, den sie umwerben, um den sie sich streiten: Sie suchen nach harmonischer Übereinstimmung und beanspruchen vehement ihr eigenes Terrain; sie erproben ihre Reize in kindlicher Unbefangenheit, feiern das flüchtige Begehren, umarmen die ganze Welt und werden immer wieder enttäuscht und gewaltsam zurückgewiesen – Leidensgenossinnen von Ida, Eva und Mieze aus Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz".
"Die Tänzerinnen "harmonieren präzise und bewahren doch ihre spezifische Persönlichkeit. Andrea Schiefer die nüchtern-kecke in Orange. Elise Hoffmann die abgezirkelte, energetische in Türkis. Fernanda Lima wie ein Joker im zweiten Teil im knallroten Kleid, Sinnlichkeit verströmend. Und mit geschmeidiger Kraft und Größe auftrumpfend Natascha Hahn in Violett, dunkel wie die tiefen, schweren Töne der Sinfonie. Wie Klangfarben umspielen sie sich, jede spiegelt auch ein anderes Wahrnehmen der Töne. Man beginnt die Musik zu sehen... Und wenn sie Konventionen durchbrechen, im Gorillasprung hopsen oder Kampfduelle tanzen, verkörpern sie einen Witz und eine Lebendigkeit, die man im Klangchaos überhören könnte. Begeisterung bei der Premiere".
Neue Presse, 05.09.08
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